Erfolglos als Team

Scheiterreihe Folge 6

Zunächst braucht es hier wahrscheinlich eine Definition, was erfolglose Teams ausmacht. Denn so einfach ist das gar nicht. Wir können es natürlich an KPIs festmachen, an überhöhten Kosten, mangelndem Gewinn, ungewöhnlichem Verlust, an mangelnder Produktivität, schlechter Stimmung, hoher Fehlzeiten, starker Fluktuation. Dies ist ja insofern nicht einfach, da das auch an externen Faktoren wie schwieriger Wirtschaftlage der Kunden und an mangelnden Führungsqualitäten liegen kann.

Paul Watzlawik schlug zur Betrachtung von Teams zwei Dimensionen vor. Einerseits die Beziehungsebene. Also inwieweit Teams darauf bedacht sind, das Miteinander zu pflegen. Andererseits die Sacheebene: wie sehr sich Teams darauf konzentrieren, die Ihnen auferlegten Aufgabe zu erfüllen. Besonders erfolglos sind wir dabei, wenn wir sowohl das Miteinander, als auch die Aufgabenbewältigung vernachlässigen.  Als sogenannted Underachiever-Team gewinnen wir daraus einen Synergieeffekt. Schlechte Stimmung, Misstrauen und Einzelkämpertum wirkt sich positiv auf die mangelnde Aufgabenerledigung und Motivationslosigkeit aus. Misserfolg hierbei wiederum führt zu Vereinzelung, inneren Kämpfen und gegenseitigen Vorwürfen.

Dabei reicht es nicht, wenn ein Team nur auf einer Dimension schwächelt. So richtig toll bergab geht es erst, wenn beide miserabel behandelt werden. Das klingt jetzt kompliziert, ist aber auf vielerlei Weise möglich voranzutreiben:

  • Harmonisierung

Harmonie ist doch etwas Tolles! Alle haben sich lieb, alle sind sich einig, niemand darf einen eigenen Kopf haben.

Und damit ist eigentlich schon alles gesagt. Harmonie führt zu Harmonisierung und damit zur Gleichschaltung. Dies verhindert nicht nur neue Ideen und Entwicklung und somit eine verbesserte Aufgabenbewältigung, Gleichschaltung eignet sich auch wunderbar dafür, uns als Menschen eingeengt und unwohl zu fühlen. Die Gleichschaltung verhindert divers geführte Diskussionen, damit werden die gefundenen Lösungen weniger reich- und nachhaltig. Die Wahrscheinlichkeit einer eklatanten Fehlentscheidung steigt. Hinter Harmonie in Teams stecken nicht selten verdeckte Konflikte. Als Folge gibt es häufig hohe Fluktuation und viele Krankmeldungen. Konflikte, die nicht öffentlich ausgefochten werden dürfen, werden nach innen, also intraperaonal, verschoben.

  • Fingerpointing

Eine weitere wundervolle Möglichkeit das Teamgefüge auseinanderzureißen und die Performance zu minimieren ist, bei jedem Fehler die Schuldigen herauszufinden und bloß zu stellen. So steigt einerseits das Mißtrauen im Team, man möchte nicht, das andere zu viel mitbekommen. So gibt es kein Lernen aus Fehlern, keine Prozessverbesserung und auch kein kollegiales Lernen mehr. Zudem schwindet die soziale Motivation, sich für die anderen anzustrengen. Zum anderen werden Fehler eher versucht zu vertuschen, Dienst nach Vorschrift wird gestärkt und das Klammern an bestehende Prozesse, auch wenn diese gar nicht mehr passend sind.

  • Rechthaberei und Machtgerangel
1. Regel: Sie haben immer recht. 2. Regel: Sollten Sie mal nicht  recht haben, tritt Regel 1 in Kraft.

Versuchen Sie Probleme nie im Konsens zu lösen. Eine reichhaltigere Lösung ist Gift für jede Erfolglosigkeit. Beharren Sie auf Ihren Standpunkt und kämpfen Sie dafür bis aufs Blut. Nachgeben ist hier keine Option. Wenn die anderen zu dumm sind, Ihren Standpunkt zu verstehen, dann müssen Sie notfalls halt spüren. Man kann ja nicht jeden glücklich machen.

Rechthaberei und Machtkampf führen idealerweise dazu, dass keine Entscheidungen mehr gefällt werden, die Stimmung ist eh mies und am Ende gibt es nur Verlierer. Also alles topp!

  • Jammern

Jammern ist so etwas wie die Gegenstrategie zum Machtkampf und eignet sich besonders, wenn es zu wenige Alpha-Tiere im Team gibt. Denn auch hier werden keine Entscheidungen getroffen. Die Sachenebene wird gänzlich außer Acht gelassen. Alle benehmen sich wir Kinder beim Wandertag. Jegliche Verantwortung für die Situation wird negiert und an etwas ominösen anderes abgeschoben: die Führungskraft, das Unternehmen, die Kundem, die Kultur, die Bundesregierung oder das Wetter. Es gibt immer etwas, das sich hervorragend dazu eignet.

Als Nebeneffekt zur mangelhaften Aufgabenerledigung bewirkt die negative Stimmung, dass man gar nicht mehr gerne zur Arbeit geht. Unwohlsein, Motivationsverlust, mehr Krankmeldungen sind die Folge. Und obendrein kann es auch im Privatleben gerne mal knallen, da das Jammern auch gerne mit nach Hause getragen wird. Also perfekt: es knallt an allen Ecken und Enden!

  • Rückzug

Sollten die bisherigen Tipps noch nichts gebracht haben, etwa weil niemand mit Ihnen in den Machtkampf gehen, niemand auf ihr Jammern einsteigen, die Harmonie im Team sich nicht so richtig einstellen möchte und das Fingerpointing auch nichts hilft, bleibt nur noch der Rückzug. Arbeiten Sie einfach nur noch vor sich hin, vermeiden Sie Kontakt zu den anderen, Fragen Sie niemanden und beantworten Fragen auch nur, wenn Sie dazu gezwungen werden und dann bitte betont unwillig und möglichst ohne zu vieö Informationen preiszugeben. Kosten Sie alle Vorteile des Rückzugs aus, indem Sie beispielsweise bei der Verteilung neuer Aufgaben möglichst leer ausgehen und Sie kein Geld mehr für Geburtstags- und sonstige Geschenke für Kolleg:innen ausgeben müssen. Es kann einen Moment dauern, aber Sie werden sehen, es lohnt sich. Wer Wind säht, darf Sturm ernten. Haben Sie nur Geduld!

Mit diesen fünf Tipps sollten Sie nun ausreichend gewappnet sein, als Team oder Einzelgänger im Team zu einer übergebührenden Erfolglosigleit beizutragen.

Viel Spaß damit!

ps. Diese Tipps funktionieren auch wunderbar in Familien.

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