Erfolglose Krisenbewältigung

Scheitereihe Folge 4

Krisen sind besonders gut geeignet, um gescheitert aus Ihnen hervorzugehen. Wenn Sie Folge 1 bis 3 bislang aufmerksam verfolgt haben und die Tipps in die Tat umgesetzt haben, sollte es in Ihrem Leben ja nur so wimmeln von Krisen.

Herzlichen Glückwunsch! Hier werden wir uns also betrachten, wie sie diese Krisen zu Vollkatastrophen ausbauen können.

  1. Wer am Boden liegt, sollte liegen bleiben

Kommen Sie ja nicht auf die Idee, aufzustehen, sich den Staub von der Kleidung zu schütteln, die Ärmel hochzukrempeln und zu überlegen, wie Sie weiter machen können. Bleiben Sie einfach liegen. Denken Sie in Ruhe darüber nach, was Sie falsch gemacht haben, wie doof Sie waren, was für ein Versager Sie sind. Erzählen Sie sich also mit ganzer Ausführlichkeit Ihre Scheitergeschichte. Es hilft wunderbar, sich dabei zu beschimpfen, zu kritisieren und verbal oder physisch ein Nudelholz über den Kopf zu ziehen. Dann sinkt auch gleichzeitig Ihr Wert und schon bald stellt sich das Gefühl ein, am Liebsten gar nicht mehr aufstehen zu wollen. Hervorragend! Sie sind schon fast am Ziel.

2. Stecken Sie den Kopf in den Sand

Es ist ein alter Mythos, dass Strauße den Kopf in den Sand stecken, um sich zu verstecken. Das machen die gar nicht. Aber Sie! Sie können das! Suchen Sie nicht nach Lösungen für Ihre Krise, ignorieren Sie einfach die Probleme. Tun Sie so, als wären die Probleme nicht da. Wenn wir unsere Probleme nicht angehen, haben wir eine gute Chance, dass Sie noch größer werden. Schuldenberge werden größer, der Konflikt mit anderen verschärft sich, Risse und Macken weiten sich aus. Sie sehen also, es braucht manchmal gar nicht viel!

3. Versinken Sie in Selbstmitleid

Jetzt ist der ideale Zeitpunkt, die böse böse Welt um Sie herum zur Schuldigen zu erklären, die Sie zum armen armen Opfer gemacht hat. Wie haben Sie das nur verdient? Alles ist so ungerecht und Sie haben doch gar nichts Schlimmes getan. Verfallen Sie gerne in Moralpredigten darüber, wie unfair, selbstgefällig und egoistisch alle sind. Klagen ist was Tolles! Es gibt ein gutes Gefühl, nicht Schuld zu sein und gleicht löst es das Problem nicht. Es verstärkt Ihre Hilflosigkeit, Handlungsunfähigkeit und gräbt Sie so immer weiter in die Krise hinein. Ein schöner Nebeneffekt ist auch: durch ihr ständiges Jammern vertreiben Sie auch alle Ihre Freunde und sonstige Unterstützer. Selbstmitleid und Jammern ist also so etwas wie die Superkraft beim Scheitern!

4. Misstrauen Sie Ihren Körperreaktionen

Sie spüren, dass Sie unruhig sind? Zittern, Herzklopfen, Schweißausbrüche. Jetzt hilft nur eins: Suche nach der Krankheitsursache. Was? Nein, diese Körpersignale haben bestimmt nichts mit der Krise zu tun. Da muss mehr dahinter stecken. Ein verdeckter Herzinfarkt oder Krebs, auf jeden Fall etwas ganz schlimmes. Da gibt es nur eine Lösung: bekommen sie bloß viel Angst vor diesen Körperreaktionen. Malen Sie sich aus, was alles passieren kann, wenn die Krankheit erstmal zu Tage tritt. Sie werden merken, dass die Reaktionen bald stärker werden, dies beweist, dass Sie Recht hatten mit Ihrer Sorge. Also machen Sie sich noch mehr Sorgen! Hören Sie nicht auf Stimmen, die sagen, dass dies ganz normal sei und Ihr Körper Sie unterstützen will. So ein Quatsch, als seien Atmung, Herzschlag und Immunsystem ohne Ihre bewusste Kontrolle in de Lage, normal zu funktionieren. Wie soll das denn funktionieren?

5. Lösen Sie Ihre Probleme allein

Schließlich wollen Sie sich ja nicht anhören, wie unfähig und hilflos Sie sind, dass Sie Unterstützung von anderen brauchen. Ihr Kredo sollte sein: „Wer Hilfe von anderen braucht, ist ein Versager!“ Ziehen Sie sich möglichst zurück. Fragen Sie niemanden nach Rat oder Hilfe. Wer möchte schon die wohltuende Zugewandheit anderer spüren. Zusammen ist man weniger allein, gilt hier nicht. Es ist viel schöner, sich zunehmend einsam zu fühlen. Dann kann man sich so richtig schön im Selbstmitleid suhlen. Am Ende hilft Ihnen jemand anderes noch dabei, dass Sie sich besser fühlen. Geht’s noch???

6. Verneinen Sie Ihre Fähigkeiten

Es ist Ihnen bereits gelungen, andere Probleme und Krisen zu bewältigen? Das lag ja bestimmt nicht an Ihren Fähigkeiten und Stärken. Das war nur Zufall oder Glück. In Krisenzeiten fallen uns leicht frühere Krisen ein. Denken Sie diese am besten nicht zu Ende. Ersparen Sie sich den Teil, wie es Ihnen gelungen ist, die Krise zu bewältigen. Stoppen Sie Ihre Erzählung am schlimmsten Punkt, da wo Sie diese Krise schon fast nicht mehr ausgehalten haben. Und jetzt denken Sie darüber nach, wie es wäre, wenn die jetzige Krise genau diesen Punkt erreichen würde oder vielleicht noch schlimmer werden könnte. Sie merken schon, das Nachdenken über Ihre erfolgreichen Bewältigungsstrategien hilft gerade nicht dabei, diese Tiefpunkte mit dem vollen Schmerz und der stärksten Angst auszukosten. Sie laden ja geradezu dazu ein, so etwas wie Hoffnung zu spüren, fürchterlich!

7. Unternehmen Sie nichts, was Ihnen Spaß macht

Idealerweise bleiben Sie zu Hause und starren die Wand an. Steigern Sie das gerne, indem Sie noch die Rollläden herunterlassen. Passenderweise signalisiert Ihr Körper Ihnen eh, dass Sie erschöpft sind. So müssen Sie nichts tun, als diesem Gefühl zu folgen. Gerne darf Ihr Pflichtbewusstsein Sie noch zur Arbeit schleppen oder zur Betreuung der Verwandtschaft. Aber bitte machen Sie nichts aus Eigennutz. Ein Spaziergang würde Ihnen gut tun? Freunde treffen, Sport hilft Ihnen ein wohliges Gefühl und innere Ruhe zu bereiten? Lassen Sie das! Am Ende würden Sie dadurch wieder Energie und Lebenssinn gewinnen. Das wäre tödlich für Ihren Krisenzustand.

Stellen Sie sich vor, Sie würden für sich sorgen und plötzlich würde sich die Krise für Sie bewältigbar anfühlen. Was sollen denn da die Nachbarn denken? Da glaubt ja keiner mehr, dass Sie eine richtige Krise haben.

8. Informieren Sie sich

Sie haben kein Interesse, sich mit Ihrer Außenwelt auseinander zu setzen? Sie wollen sich erstmal auf Ihre eigene Krise konzentrieren? Das kann ein fataler Fehler beim Scheitern sein. Die Welt ist ja voller Krisen. Yipeeh, noch ein paar mehr Krisen obendrauf! Aber wenden Sie sich dabei bitte nicht an seriösen Quellen. Nutzen Sie Social Media, Telegram-Kanäle und wenn es wirklich analog sein muss, wenigstens die BILD-Zeitung. Hier wird Ihre Emotionalität so richtig schön aufgeladen. Das steigert die Angst, Wut und Verzweiflung ins Unermessliche, hilft Ihnen den Tunnelblick zu verstärken. nicht, dass Ihnen noch doch noch ein Ausweg aus der Krise ins Auge fällt.

Diese 8 Tipps leisten einen perfekten Beitrag, in Ihrer Krise unterzugehen. Es ist ja nicht das Ziel, Krisen zu überstehen, sie auszuhalten, oder sich gar darin noch zu entwickeln und neue Stärken zu entdecken. Nein, beim Scheitern geht es allein nur ums Scheitern. Viel (Miss)Erfolg!

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