Erfolgloses Stressmanagement

Scheiter-Reihe Folge 1

Und weiter geht´s in der Scheiterreihe, ich hoffe, Sie sind bereits erfolglos ins Jahr 2026 gestartet. Was gibt es Schöneres, als sich nun ein Jahr lang, die eigenen Stressbewältigungsfähigkeiten zu versauen?

Entspannt oder gestresst? Hoffentlich Zweiteres!

Sie führen ein ausgeglichenes Leben? Sie fühlen sich im ausreichenden Maße gefordert, also weder unterfordert noch überfordert? Sie achten gut auf sich, Ihre Bedürfnisse, empfinden Ihre sogenannte Work-Life-Balance als ausgeglichen?

Alle um Sie herum stöhnen, wie langweilig oder überfordern das Leben ist? Dass die Arbeit schon wieder mehr fordert, als bewaltigbar ist? Und Sie fragen sich, was mit Ihnen nicht stimmt? Sie wollen auch in den Genuss einer chronischen Erschöpfung kommen, von der so viele in Ihrem Bekanntenkreis erzählen?

Ich gebe Ihnen heute 11 Tipps für ein erfolgloses Stressmanagement:

1. Pausen sind Zeitfresser

Ackern Sie pausenlos und wenn sie auf Toilette oder zum Kaffeeautomaten müssen, dann rennen Sie! Machen Sie sich die gesamte Zeit darüber Gedanken, welche Probleme gerade vor ihnen liegen und nehmen Sie ja nicht Abstand davon.

2. Versuchen Sie alle glücklich zu machen

Mit alle meine ich natürlich die anderen. Auf keinen Fall sich selbst. Üben Sie sich darin zu allem „Ja!“ zu sagen. Ihr oberstes Ziel ist, dass die andern Ihnen dankbar sind und Anerkennung zeigen. Wenn sie das nicht tun, liegt das in erster Linie an Ihnen, dann müssen sie noch mehr leisten. Sie werden schon merken, dass Sie in der Beliebtheitsskala bei ihren Vorgesetzten und Kollegen ganz nach oben wandern. Wann immer es eine neue Aufgabe zu erledigen gibt oder andere Hilfe brauchen, werden sie zuerst zu Ihnen kommen. Nehmen Sie das als Anerkennung für Ihre tollen Fähigkeiten.

3. Fokussieren Sie sich auf Ihre Schwächen und Unzulänglichkeiten

Betrachten Sie alles, was Sie nicht gut können. Nehmen Sie sich ruhig Zeit dafür, da wird sich schon einiges finden lassen. Seien Sie sich gewiss, dass auch alle anderen um Sie herum genau diese Unzulänglichkeiten wahrnehmen und sich daran stören. Kommen Sie ja nicht auf die Idee, Stärken an sich selbst festzustellen. Stärken sind nur verkappte Schwächen!

4. Perfektion ist das oberste Gebot

Nehmen Sie die Aufgaben, die sich inzwischen bei Ihnen angehäuft haben bitte nicht auf die leichte Schulter. Quick and Dirty ist hier nicht. Hier muss alles bis ins kleinste Detail durchdacht und durchgearbeitet werden. Seien Sie sich immer bewusst, Ihre Vorgesetzten, Kollegen und Kunden merken es, wenn Sie schludern! Jede kleinste Ungenauigkeit ist verboten. Denn Fehler (und sind sie noch so klein) sind ein Versagen! Glauben Sie keinen Quatsch Aussagen, wie: „Aus Fehlern lernt man.“ Oder: „Jeder macht mal Fehler.“ Sie sind nicht jeder, Sie sind perfekt! Oder etwa doch nicht? Prüfen Sie lieber noch einmal alles nach!!!

5. Bleiben Sie unzufrieden mit sich selbst

Kommen Sie ja nicht auf die Idee, Sie hätten viel geschafft. Ja, Sie arbeiten mehr als früher. Das merken Sie ja auch an den Überstunden, dem Zähneknirschen, Nackenverspannungen und Ihrer schlechten Laune. Jetzt ist aber nicht die Zeit für Schulterklopfen. Glauben Sie ja nicht, Sie hätten bereits einen Erfolg zu feiern. Betrachten Sie lieber den riesigen Berg an Aufgaben, der noch vor Ihnen liegt!

6. Machen Sie alles schnell und hektisch

Natürlich wollen Sie den Berg schnell abarbeiten, damit die anderen wieder schön was drauf werfen können. Idealerweise ziehen Sie das Tempo an, machen alles doppelt so schnell. Ja, die Schweißperlen zeugen von Ihrer guten Arbeit. Am besten fangen Sie jetzt an, zwischen den Aufgaben zu springen. Sie brauchen ja einen Überblick über die Tätigkeiten. Während Sie eine Aufgabe bearbeiten, denken Sie bitte schon über eine andere nach, besser drei!

7. Arbeiten Sie nach dem Clean-Desk-Prinzip

Ihr Ziel muss es sein, zum Feierabend alles abgearbeitet zu haben. Natürlich schaffen Sie das nicht, hier geht es aber nicht um Wunschdenken. Hier geht es um die knallharte Realität und die heißt: nur ein abgearbeiteter Schreibtisch ist gut. Also nehmen Sie sich gerne Arbeit mit nach Hause, was sollen Sie auch sonst nach Feierabend machen? Bitte keinen Sport, keine Freunde, keine Entspannung, sondern Arbeiten. Idealerweise nutzen Sie auch Ihren Schlaf, um über Arbeit nachzudenken. Perfekt ist, wenn Sie schweißgebadet aufwachen, weil Ihnen einfällt, was Sie vergessen haben zu tun. Stellen Sie sich schon die Wut und Enttäuschung der anderen vor, die Ihnen am nächsten Arbeitstag entgegenschlägt.

8. Treffen Sie bloß nur noch richtige Entscheidungen

Von wegen entscheiden ist besser als nicht-entscheiden. Richtig muss die Entscheidung sein! Wer darüber entscheidet, was richtig ist? Na alle, jeder aus seiner Perspektive, nur nicht Sie. Sie wollen ja die anderen glücklich machen. Also bitte hadern Sie, fragen Sie fünf verschiedene Personen und dann überlegen Sie, was die anderen Personen dazu sagen würden, die Sie nicht gefragt haben. Entscheiden Sie aber erst, wenn Sie sich zu 100% sicher sind! Denn die Entscheidung muss so gut sein, dass hernach keiner nörgelt.

9. Alles ist gleich wichtig!

Bitte fangen Sie bloß nicht an zu priorisieren. Und kommen Sie nicht auf die Idee, Dinge unter den Tisch fallen zu lassen, die Sie als unwichtig beurteilen. Alles ist wichtig und dringlich sowieso. Kommen Sie nicht auf die Idee Dinge abzugeben oder nach Aufschub zu fragen. Hier kommen wir wieder zum Punkt Multitasking: machen Sie einfach alles gleichzeitig.

10. Selbst ist der Mensch!

Fragen Sie ja nicht nach fremder Hilfe oder Unterstützung. Sie wollen am Ende ja zeigen, dass Sie es sind, die das hinbekommen haben. Nicht, dass sich noch andere mit fremden (also Ihren!) Federn schmücken. Zudem ist ja eh klar, wenn Sie eine Aufgabe abgeben, landet sie am Ende wieder bei Ihnen. Niemand kann diese Aufgabe so toll lösen wie Sie. Ergebnisse von anderen sind höchstens halb so viel wert! Und eine Bitte noch hierzu: nehmen Sie möglichst wenig Kontakt zu anderen Menschen auf, auch nicht nach Feierabend. Am besten, sie ziehen sich in ein Zimmer zurück und lassen die Jalousien runter. Wenn andere auf Sie zugehen, nörgeln und jammern Sie über die viele Arbeit oder gehen Sie möglichst schnell an die Decke. Ihre Grundgereiztheit hilft Ihnen bestimmt dabei. So halten Sie andere Menschen auf einem guten Abstand.

11. Fordern Sie Ihren Körper

Wenn Sie jetzt spüren, dass der Brustkorb eng wird und das Herz rast, dann sind Sie auf einem richtig guten Weg. Jetzt bloß nicht tief einatmen oder nach Entspannung suchen. Einfach weiter machen. Schmerzen im Magen, Darm, Rücken, Nacken oder Kopf? Da können Sie sich am Wochenende noch drum kümmern oder wenn Sie in Rente sind. Jetzt nicht krank machen oder so. Einfach Schmerzmittel nehmen und weiter. Sie sind ja kein fauler Hund, der wegen jedem Wehwehchen zum Arzt rennt. Noch sind Sie nicht umgefallen, also alles gut. Der Körper möchte einfach mal richtig gefordert werden.

Und wenn der Körper schlapp macht, dann gehen Sie in Teilzeit. Der Supereffekt hiervon ist, dass Sie weniger Geld verdienen, aber die gleiche Arbeit haben. Es ist ja niemand da, der Ihnen eas abnimmt. Damit bauen Sie Ihr Überstundenkonto aus, toll!

Mit diesen Tipps sollten Sie nun gut gerüstet sein. Der Burnout wird nicht lange auf sich warten lassen. Wenn Sie gut sind, erreichen Sie ihn noch vor Jahresende!

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..