Erfolglos Starten ins Jahr 2026

Scheiter-Reihe – Prolog

Momentan macht es uns die Welt vor und warum sollten wir denn nicht einfach auf diesen Zug aufspringen?

Lasst uns gemeinsam im Jahr 2026 scheitern!

Das Funkeln der Erfolglosigkeit!

Ja, ihr habt richtig gelesen. Die Zeiten der Selbstoptimierung sind vorbei, eine Krise jagt die nächste. Alle Anstrengungen sind umsonst, es geht bergab, mit der Welt, der Wirtschaft und auch am Hang!

Das ganz Jahr über werde ich euch mit Tipps versorgen, wie ihr in ganz verschiedenen Lebensbereichen erfolgreich scheitern könnt. Also erfolgreich erfolglos sein.

Diejenigen unter euch, die jetzt denken, das wird ja einfach, da muss ich ja gar nichts für tun, muss ich leider enttäuschen. Ihr werdet sehen, erfolgreich scheitern ist gar nicht so einfach. Da muss man schon hart daran arbeiten!

Und gleich geht es los mit dem ersten Tipp:

Erfolglos starten ins Jahr 2026

Ihr habt heute Abend schon etwas vor? Mist, am besten ihr sagt ab! Ihr habt noch nichts vor? Super, dann können wir ja loslegen:

Für alle die heute Abend nichts vorhaben:

Das Prinzip ist ganz einfach. Es geht darum, sich mit denen zu vergleichen, die es besser haben als man selbst. In der Psychologie heißt das „Vergleich nach oben.“ Diese Methode eignet sich wunderbar dafür, sich selbst unglücklich zu machen.

Am besten geht ihr spazieren und schaut in die Fenster, wie sich die anderen Leute auf Sylvester vorbereiten: Feuerwerkskörper in Maßen kaufen, das Heim für die Party schmücken, sich chique machen für die Sylvestergala oder die Feier bei Freunden. Und dann denkt ganz angestrengt darüber nach, wie doof es ist allein zu feiern, wenn alle anderen doch so ein tolles Event haben. Abends schaltet ihr dann den Fernseher mit dem Countdown-Shows an und achtet vor allem darauf, wie glücklich die alle aussehen, so in der Gemeinschaft, vor dem Brandenburger Tor, was für einen Spaß die haben dort zu sein, während ihr in die Röhre guckt (im doppelten Sinn). Wenn eure Nachbarn feiern, dann hängt mit einem Ohr immer bei der Party nebenan, achtet auf jedes Lachen und fröhliche Johlen und macht euch nochmal richtig bewusst, wie alleine ihr seid. Um Mitternacht geht nicht auf die Straße, höchstens, um euch mit Knallern bewerfen zu lassen, wünscht niemandem ein Frohes Neues Jahr, sondern schaut nur grimmig vor euch hin.

Für alle, die heute Abends etwas vorhaben:

Für alle, die sich nicht getraut haben, die Party abzusagen, habe ich natürlich auch noch Tipps:

Das Prinzip hier lautet „hohe Ansprüche:“ Achtet auf alles, was euch stört: die Musik ist zu laut oder zu leise und sowieso ist sie echt schlecht. Am Essen kann man immer etwas verbessern und die Stimmung der anderen könnte viel besser sein. Sprecht doch gerne darüber, wie toll das letzte Sylvesterfest bei anderen Freunden dagegen war. Und vergesst ja nicht, die Getränke zu beurteilen. Bei Wein und Sekt geht das immer super: zu süß, zu sauer, zu trocken und Kopfschmerzen macht der bestimmt auch. Natürlich kann man auch alle anderen Getränke beurteilen: zu viel Zucker, zu wenig Zucker, zu viel oder zu wenig Alkohol, zu langweilig, zu übertrieben, und und und.

Bleibt im jeden Fall den ganzen Abend auf eurem Stuhl sitzen. Das Spiel heißt, wer sich zuerst bewegt, verliert.

Für euch alle gilt:

Genügsamkeit, Zufriedenheit, Dankbarkeit und geringe Ansprüche an euch und anderen sind Gift für erfolgreiches Scheitern!

Und bitte nicht die Vorsätze vergessen!

Nehmt euch was richtig Großes vor für das kommende Jahr: mit Rauchen aufhören ist super oder mit Sport anfangen. Abnehmen oder Geld sparen. Gesünder essen, keinen Alkohol mehr. Egal was, Hauptsache ihr könnt euch sicher sein, dass nicht durchzuhalten. So können wir das Scheitern noch vor Jahresbeginn Ding festmachen.

Ich merke, ihr seid dabei! Stark, ich freue mich!

Und jetzt startet durch in ein unglückliches Jahr 2026!

Humor ist das Einzige, was du ernst nehmen solltest!

Das ist kein Witz, das ist mein voller Ernst!

So ernst, wie ich halt sein kann *zwinker*

Aber jetzt mal Spaß beiseite oder lieber: mal rin in die Gaudi! Nichts ist so hilfreich, uns selbst zu verstehen und dabei auch zu begegnen wie Eigenironie. Es ist ja mittlerweile Usus in der Gesellschaft, in der Comedy und auch der Politik, sich übereinander lustig zu machen. Das ist aber kein Humor, es ist Zynismus. Andere lächerlich zu machen und sich so über sie zu erheben. Das zeugt vor allem von einem, von innerer Schwäche. Nur schwache Menschen haben es nötig, sich über andere zu erheben. Ja schade eigentlich, es macht doch so viel Spaß!

Echter Humor macht viel mehr Spaß. Echter Humor erhebt sich nicht, macht andere nicht lächerlich, sondern nimmt andere liebevoll auf den Arm. Und das gibt vor allem eins, nämlich Halt!

Auf den Arm genommen werden, heißt, gehalten zu werden.

Echter Humor gibt uns Distanz zu der Situation und gleichzeitig die Möglichkeit ihr liebevoll zu begegnen und sie zu verändern, wenn wir das wollen. Wenn wir über uns selbst lachen, distanzieren wir uns also auch von uns selbst und begegnen uns gleichzeitig liebevoll. Das schafft den Raum uns zu entscheiden, ob wir an unseren drolligen Eigenheiten etwas verändern wollen. Wir können sie aber auch akzeptieren, wir wissen nun aber darum und was wir damit bei anderen auslösen. Auch das gibt uns mehr Möglichkeiten. Abzuwägen, wann wir diese Eigenheit mehr oder einiger zeigen wollen. Zu verstehen, warum andere so reagieren, wie sie reagieren.

Deshalb nutze ich in meinen Beratungen gerne und viel Humor. So kommen meine Klientinnen und Klienten schneller zu ihrem Ziel und gehen gelöst und entspannt aus der Sitzung.

Für 2026 plane ich eine humorvolle Blog-Reihe. Eine Chancen, für jeden von uns etwas nützliches über uns selbst zu lernen und dabei auch Gene herzhaft zu lachen. Freut euch auf die Scheiter-Reihe.

Burnout — Buchtipp

Heute habe ich mal einen Buchtipp für euch. Burnout ist ja in aller Munde. In der Psychopathologie wird Burnout mittlerweile als Syndrom beschrieben. Damit ist es noch keine psychische Störung, aber es wird als Bündel an Symptomen beschrieben, die gemeinsam auftreten.

1974 wurde es zum ersten Mal in einem wissenschaftlichen Artikel beschrieben. Mittlerweile ist Burnout aus der Arbeitswelt nicht mehr weg zu denken und es gibt bereits Tendenzen auch andere Lebensbereiche mit diesem Titel zu schmücken. So werden bereits Eltern manchmal ein Burnout zugeschrieben.

Bereits 1973 entstand ein umfassendes Werk im deutschsprachigen Raum. Es beschreibt sowohl Epidemiologie (Verbreitung der Syndromatik), als auch Ätiologie (Krankheitsursache) und Interventionsmöglichkeiten und ist damit noch heute aktuell. Das schöne dran, es ist ist in recht einfacher Sprache geschrieben und auch für Laien gut verstehbar.

Es heißt „Momo“ von Michael Ende.

Beppo [Straßenkehrer] liebte diese Stunden vor Tagesanbruch, wenn die Stadt noch schlief. Und er tat seine Arbeit gern und gründlich. Er wusste, es war eine notwendige Arbeit.

Wenn er so seine Straße kehrte , tat er es langsam, aber stetig: Bei jedem Schritt einen Atemzug und bei jedem Atemzug einen Besenstrich. Schritt-Atemzug-Besenstrich